Gemischter Schwimmunterricht

SchwimmunterrichtKaum ein anderes Thema stößt bei den hiesigen Muslimen auf soviel Unverständnis wie der gemeinsame Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen. Auch wenn sich die Problematik fälschlicherweise meist nur auf die jungen Mädchen bezieht bzw. die betroffenen Eltern sich hier am meisten stören, betrifft dies die Jungen genauso.

Nach islamischer Sicht gibt es Körperbereiche, welche immer zu bedecken sind und nicht von anderen Personen gesehen werden dürfen (auf arabisch Aura). Diese Bereiche gibt es sowohl für Männer, als auch für Frauen.

Der einzige Unterschied ist, dass sich der Bereich bei Frauen erweitert, sobald sie die Pubertät erreichen, so dass von da an – unter anderem – auch die Haare bedeckt werden müssen. Bei einem Mann muss beispielsweise mindestens der Bereich von den Kniescheiben bis einschließlich des Bauchnabels bedeckt werden. Mit einer normalen Badehose ist dies also auch nicht getan.

Der Muslim hat nicht nur dafür Sorge zu tragen, dass seine eigene Aura bedeckt ist, sondern auch, dass er nicht unnötig die Aura eines anderen Menschen betrachtet. Selbst wenn ein Muslim oder eine Muslima sich selbst zu genüge bedeckt hat, sieht er oder sie bei dem gemischten Schwimmunterricht unweigerlich immer noch die Aura der anderen Badeteilnehmer, auch des jeweils anderen Geschlechts, was bereits nicht islamkonform ist.

Es gab zu diesen Fall bereits viele Gerichtsurteile, welche stets zum Nachteil der Muslime gefällt wurden, unter anderem vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte oder aber den Bundesverwaltungsgerichten. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in dieser Frage steht hingegen noch aus, da bisherige Verfassungsbeschwerden aufgrund von Formfehlern abgewiesen wurden.

Aus diesen Ablehnungen sind jedoch die Mängel der jeweiligen Klagen deutlich geworden, denn so weisen sie stets die selben Schwächen auf. Zum einen wird immer nur damit argumentiert, dass die Muslima selbst sich korrekt bedecken muss, nie jedoch damit, dass auch die anderen Teilnehmer korrekt bedeckt sein müssten, damit die Teilnahme islamkonform wäre.

Und die zweite deutliche Schwäche ist, dass man sich im theologischen Bereich nur sehr mangelhaft auf die Argumentation der Gegenseite – sprich den Vertretern des Staates – vorbereitet hat. Denn die Gegenseite bringt immer wieder, bei allen Gerichtsinstanzen, die gleiche Argumentationskette vor und beruft sich auf eine Fatwa (ein islamisches Rechtsurteil) eines Gelehrten aus Ägypten, in welcher behauptet wird, dass es genüge, wenn die muslimische Frau sich mit dem sogenannten Burkini kleide, um am gemeinsamen Schwimmunterricht teilzunehmen.

Hier ist es notwendig, dass man für die Gegenargumentation eben auch entsprechende Rechtsurteile vorlegt, die eben das Gegenteil bestätigen, denn die Ansicht dieses ägyptischen Gelehrten ist die Meinung einer Minderheit, wenn man einmal die Urteile der Gelehrten weltweit miteinander vergleicht. Selbst in Ägypten gibt es zahlreiche Rechtsurteile, welche etwas anderes bestätigen.

Ebenso muss man im gleichem Atemzug damit argumentieren, dass der Staat nicht von jemanden verlangen darf, sich einem Urteil eines Gelehrten unterzuordnen, welchem er selbst nicht folgt, so wenig wie man von einem Evangelikalen verlangen kann, sich dem zu unterwerfen, was die katholische Kirche oder der Papst behauptet; oder dass man einem Katholiken nicht vorschreiben kann, sich an die Urteile der Zeugen Jehovas zu halten, nur weil sie den staatlichen Vertretern besser gefallen.

Und gleiches gilt für uns Muslime. Man kann und darf nicht von uns verlangen, dass wir uns der offensichtlichen falschen Meinung einer einzelnen Person unterwerfen, nur weil sie den Vertretern des Staates besser gefällt und man uns dadurch wieder ein Stück weit in unseren Rechten beschneiden kann.

Aus diesem Grund bereiten wir auch hierfür eine entsprechende Klage vor.


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Die Föderale Islamische Union versteht sich als Interessenvertretung der muslimischen Minderheit in Deutschland. Sie möchte als Sprachrohr für die Muslime fungieren und dafür Sorge tragen, dass ihre verfassungsmäßigen Rechte auch in Zukunft erhalten bleiben.

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